đź“° Neues aus der Kryptowelt #146 - Bitcoin, Institutions, Mining, Marktstimmung, Ethereum

📆 Der Kryptomarkt startet ins Jahr 2026

Das Jahr 2025 markierte einen weiteren Reifungsschritt fĂĽr den globalen Kryptomarkt. Nach dem institutionellen Durchbruch der Bitcoin-Spot-ETFs im Vorjahr festigte sich ihre Rolle als zentrales Anlageinstrument. Milliarden an institutionellem Kapital flossen ĂĽber regulierte Produkte in den Markt und verankerten Bitcoin zunehmend als strategische Wertanlage.

Gleichzeitig rückte damit auch die Frage der Verwahrung stärker in den Mittelpunkt. Denn je größer das institutionelle Engagement wurde, desto klarer wurde auch, dass echte Souveränität im Kryptoraum nur durch Selbstverwahrung erreicht wird – als einziges Modell, das Eigentum, Unabhängigkeit und Kontrolle tatsächlich garantiert.

Parallel dazu gewann die strukturelle Knappheit weiter an Bedeutung, nachdem inzwischen rund 95 % aller jemals existierenden Bitcoin gemined sind – ein Meilenstein, der das Narrativ digitaler Knappheit weiter untermauerte.

Auch politisch gewann Bitcoin weiter an Bedeutung. Diskussionen über strategische Reserven, staatliche Bitcoin-Bestände und steuerliche Behandlung zeigten, dass digitale Assets zunehmend Teil geopolitischer und fiskalischer Überlegungen werden.

Gleichzeitig entwickelten sich Stablecoins zum Rückgrat neuer Finanzinfrastrukturen – von grenzüberschreitenden Zahlungen bis hin zu tokenisierten Kapitalmärkten. Auf regulatorischer Ebene stand 2025 im Zeichen größerer Klarheit. In den USA wie auch in Europa wurden Rahmenwerke präzisiert, die Innovation ermöglichen sollen, ohne systemische Risiken aus dem Blick zu verlieren.

Insgesamt zeichnete sich 2025 als ein Jahr der Konsolidierung, Professionalisierung und institutionellen Verankerung aus – weniger geprägt von Euphorie, dafür umso mehr von strukturellem Fortschritt.

🎭 Bitcoin im Zeitalter der Systemkrisen

Bitcoin feierte Anfang Januar seinen „Genesis Day“ – zeitgleich erreichte die US-Staatsverschuldung mit über 38,5 Billionen US-Dollar einen neuen Höchststand. Der symbolische Zufall ist schwer zu übersehen. Als Satoshi Nakamoto am 3. Januar 2009 den ersten Block schürfte, verankerte er im Code die Schlagzeile:

„Chancellor on brink of second bailout for banks“.

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Heute, 17 Jahre später, wächst die US-Verschuldung um rund 6 Milliarden Dollar pro Tag. Allein 2025 kamen etwa 2,2 Billionen Dollar hinzu. Parallel stieg die Geldmenge M2 auf rund 22,4 Billionen US-Dollar. Für viele Bitcoin-Befürworter verdichten sich hier jene strukturellen Bedingungen, aus denen Bitcoin ursprünglich hervorging: steigende Schulden, expansive Geldpolitik und ein wachsendes Misstrauen gegenüber langfristiger Kaufkraft.

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Wie schnell dieses Misstrauen in gesellschaftliche Debatten überspringen kann, zeigt der Iran. Der Rial verlor seit Juni 2025 mehr als 40 % seiner Kaufkraft und fiel zeitweise auf rund 1,4 Millionen Rial pro US-Dollar. Bankenkrisen, der Zusammenbruch der Ayandeh Bank mit Milliardenverlusten und zunehmende politische Spannungen verstärkten den Vertrauensverlust.

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In diesem Umfeld tauchte Bitcoin vermehrt als mögliches „Exit-Narrativ“ auf – weniger als Massenlösung, sondern als Referenz für Alternativen außerhalb staatlicher Geldsysteme. Ähnliche Muster wurden zuvor in Argentinien, im Libanon und in der Türkei beobachtet: Währungskrisen erhöhen die Aufmerksamkeit für digitale Assets, auch wenn hohe Volatilität, technologische Hürden und regulatorische Risiken einer breiten Nutzung im Weg stehen.

Während sich der ökonomische Druck verschärft, bleibt die politische Steuerung fragil. Hedgefonds-Manager Ray Dalio warnt, dass die US-Zwischenwahlen 2026 das Machtgefüge im Kongress kippen und kryptofreundliche Regulierungsansätze der Trump-Regierung blockieren könnten. Besonders der CLARITY-Gesetzentwurf zur Marktstruktur drohe sich bis 2027 zu verzögern.

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Prognosemärkte sehen die Wahrscheinlichkeit eines Mehrheitswechsels im Repräsentantenhaus bei rund 79 %. Gleichzeitig schloss Präsident Trump eine Begnadigung des früheren FTX-Chefs Sam Bankman-Fried ausdrücklich aus. Das Signal ist doppeldeutig: politische Nähe zur Branche existiert, bleibt aber taktisch – und jederzeit reversibel.

Parallel formiert sich die geldpolitische Gegenbewegung. In der EU ringen Parlament, Kommission und EZB um den digitalen Euro. „Bargeldähnlicher Datenschutz“ gilt als schwierigster Kompromiss zwischen Privatsphäre, Geldwäschebekämpfung und Systemstabilität. Vorgesehen ist ein hybrides Online-/Offline-Modell mit gesetzlichen Zahlungseigenschaften, Halteobergrenzen und operativ durchsetzbaren Datenschutzregeln. Zugleich treibt die OECD mit dem Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) eine neue Transparenzarchitektur voran.

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In 48 Ländern beginnen Krypto-Dienstleister bereits 2026 mit der systematischen Erfassung von Transaktionsdaten, die ab 2027 international ausgetauscht werden sollen. Ziel ist die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Geldwäsche – Kritiker verweisen zugleich auf den Aufbau bislang beispielloser Datensätze zu Besitz- und Transaktionsstrukturen.

In der Summe verschiebt sich der Kontext, in dem Bitcoin verhandelt wird. Staatsverschuldung, Währungskrisen, digitale Zentralbankwährungen und globale Steuerregime rücken die Frage nach Geldsystemen selbst in den Vordergrund – und damit auch die Rolle eines nichtstaatlichen, knappen und grenzüberschreitenden Assets.

Auffällig ist nicht der einzelne Faktor, sondern ihre Gleichzeitigkeit: Schuldenexpansion, Währungsstress und neue Kontrollinfrastrukturen entwickeln sich parallel. CBDCs und CARF zielen nicht auf Lockerung, sondern auf tiefere institutionelle Durchdringung digitaler Finanzflüsse. Bitcoin steht diesem Trend nicht als fertige Alternative gegenüber, sondern als Referenzrahmen. Die eigentliche Debatte verlagert sich damit von Kursfragen hin zu Systemfragen: Vertrauen, Souveränität – und die zukünftige Architektur von Geld.

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🔎 Institutionelle Weichenstellungen im Kryptomarkt

Der institutionelle Start ins Krypto-Jahr 2026 verläuft widersprüchlich. Während Spot-Bitcoin-ETFs in ihrer ersten vollständigen Handelswoche Nettoabflüsse von rund 681 Millionen US-Dollar verzeichneten, senden Großinvestoren, Banken und Indexanbieter parallel Signale struktureller Verfestigung.

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Nach einem kurzen Jahresauftakt mit starken ZuflĂĽssen kehrte sich der Trend rasch. Zwischen Dienstag und Freitag verzeichneten die Bitcoin-ETFs vier Tage in Folge NettoabflĂĽsse. Allein am Mittwoch flossen 486 Millionen US-Dollar ab, gefolgt von weiteren 398,9 Millionen am Donnerstag und 249,9 Millionen am Freitag. Auf Wochenbasis blieb ein deutlich negatives Saldo.

Auch Spot-Ethereum-ETFs schlossen die Woche mit Nettoabflüssen von rund 68,6 Millionen US-Dollar. Marktteilnehmer verweisen auf makroökonomische Unsicherheit als zentralen Faktor. Laut Kronos-Research-CIO Vincent Liu belasten sinkende Erwartungen an kurzfristige Zinssenkungen und steigende geopolitische Risiken die Risikobereitschaft. Investoren warteten auf klarere Signale aus der US-Geldpolitik und den Inflationsdaten, bevor sie neues Kapital in Risikoanlagen lenkten.

Parallel dazu zeigen On-Chain-Daten jedoch ein anderes Bild auf der Angebotsseite. BlackRock baute in der ersten Januarwoche seine Bitcoin-Position um rund 9.600 BTC aus – ein Zukauf im Wert von knapp 900 Millionen US-Dollar.

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Der weltgrößte Vermögensverwalter hält damit rund 780.400 BTC. Gleichzeitig fiel die Aktivität langfristiger Halter auf den niedrigsten Stand seit 2017. Die Kennzahl „Coin Days Destroyed“ auf Binance signalisiert, dass alte Coins kaum auf Börsen bewegt werden. Während kurzfristige Marktteilnehmer Verluste realisieren, bleiben langfristige Halter überwiegend inaktiv.

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Während ETF-Flows schwanken, bauen Banken ihre Produktarchitektur aus. Morgan Stanley beantragte innerhalb weniger Tage gleich drei neue Krypto-ETFs: für Bitcoin, Solana und einen Ethereum-Spot-ETF mit integrierter Staking-Komponente. Der geplante Ethereum-Fonds soll einen Teil der Bestände über Drittanbieter staken und zusätzliche Erträge generieren.

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Der Schritt folgt auf die Öffnung der hauseigenen Vermögensverwaltung für Krypto-Produkte und signalisiert, dass Morgan Stanley den Markt nicht nur als kurzfristiges Vertriebsgeschäft betrachtet. Analysten verweisen auf strategische Motive: Positionierung als kryptoaffiner Akteur, Talentgewinnung, Stärkung der Brokerage-Plattform E*TRADE sowie Vorbereitung auf Tokenisierung und neue Kundensegmente. Selbst bei moderaten Zuflüssen könnte der Reputations- und Infrastruktureffekt für das Institut entscheidender sein als das ETF-Volumen selbst.

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Auch auf der Aktien- und Indexebene verdichten sich institutionelle Weichenstellungen. MSCI entschied, sogenannte Digital-Asset-Treasury-Unternehmen vorerst nicht aus seinen globalen Indizes auszuschließen. Damit bleiben Unternehmen, bei denen digitale Vermögenswerte mehr als 50 % der Bilanz ausmachen, weiterhin für passive Indexfonds investierbar. Für Strategy und andere Krypto-Treasury-Firmen ist dies zentral, da ein Ausschluss milliardenschwere Zwangsabflüsse ausgelöst hätte. MSCI kündigte zugleich eine vertiefte Prüfung an, um künftig klarer zwischen operativen Unternehmen und primär investitionsgetriebenen Strukturen zu unterscheiden. Der Fall zeigt, dass sich der Kapitalmarkt zunehmend mit der Frage auseinandersetzt, wie Krypto-Treasuries regulatorisch und indexlogisch einzuordnen sind.

In der Summe entsteht ein differenziertes Bild. Kurzfristige ETF-Abflüsse spiegeln makroökonomische Vorsicht wider. Gleichzeitig akkumulieren große Vermögensverwalter, Banken erweitern systematisch ihre Produktpalette und Indexanbieter integrieren Krypto-Strukturen weiterhin in die klassische Kapitalmarktarchitektur.

Der institutionelle Markt trennt sich sichtbar von einfachen Preisnarrativen. ETF-Flows reagieren taktisch auf Makro-Signale, während strukturelle Akteure Positionierung, Infrastruktur und Regelwerke ausbauen. BlackRocks Akkumulation, Morgan Stanleys Produktstrategie und MSCIs Indexentscheidung verweisen auf einen tieferen Prozess. Krypto wird nicht mehr nur gehandelt, sondern organisatorisch verankert. Kurzfristige Abflüsse sagen damit weniger über Vertrauen aus als über Liquiditätszyklen – die eigentliche Bewegung findet auf der Ebene der Marktarchitektur statt.

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📊 Mining unter Druck, Treasuries im Aufwind

Zum Jahresauftakt zeigt sich auf der Angebotsseite des Bitcoin-Marktes ein vielschichtiges Bild. Während sich der Mining-Sektor nach einem der schwierigsten Jahre seiner Geschichte vorsichtig stabilisiert, setzen Unternehmens- und Treasury-Akteure ihre Akkumulationsstrategie fort – und verschieben damit die Gewichte innerhalb des Ökosystems.

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Die Bitcoin-Mining-Difficulty sank in der ersten Anpassung des Jahres 2026 leicht auf rund 146,4 Billionen. Es ist die erste Abwärtsbewegung nach einer Serie von Allzeithochs im Jahr 2025. Trotz der leichten Entspannung bleibt der Schwierigkeitsgrad hoch, und bereits für den 22. Januar wird wieder eine moderate Erhöhung erwartet, da die durchschnittlichen Blockzeiten aktuell mit 9,88 Minuten leicht unter dem Zielwert liegen. Der strukturelle Wettbewerb im Netzwerk bleibt damit intensiv – und wirtschaftlich angespannt.

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2025 war für Miner eines der härtesten Jahre überhaupt. Das Halving im April 2024 halbierte die Blockbelohnung, während makroökonomischer Druck, regulatorische Unsicherheit und der Markteinbruch im Herbst die Margen weiter belasteten.

Der sogenannte Miner-Hash-Preis fiel im November zeitweise unter 35 US-Dollar pro Petahash und damit deutlich unter die Rentabilitätsschwelle von rund 40 US-Dollar. In dieser Phase mussten viele Betreiber entscheiden, ob sie Geräte abschalten oder Verluste in Kauf nehmen. Zusätzliche Belastung kam durch von Präsident Trump verhängte Handelszölle, die Befürchtungen über Lieferengpässe und steigende Hardware-Kosten auslösten. Zwar hat sich der Bitcoin-Preis seither erholt, liegt aber weiterhin deutlich unter dem im Oktober erreichten Allzeithoch von über 125.000 US-Dollar.

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Während die Produktionsseite unter Druck stand, entwickelten sich Unternehmens-Treasuries in die entgegengesetzte Richtung. Strategy eröffnete 2026 mit dem Kauf von 1.287 BTC für 116 Millionen US-Dollar und erhöhte seinen Bestand auf 673.783 Bitcoin. Finanziert wurde der Zukauf über den Verkauf neuer Aktien. Parallel baute das Unternehmen seine Barreserven auf 2,25 Milliarden US-Dollar aus. Der Schritt erfolgte, obwohl Strategy für das vierte Quartal 2025 einen nicht realisierten Buchverlust von 17,4 Milliarden US-Dollar auswies, ausgelöst durch den Kursrückgang im Spätherbst. Trotz dieser Belastung hält das Unternehmen an seiner aggressiven Akkumulationsstrategie fest. Börsennotierte Unternehmen halten inzwischen zusammen rund 1,09 Millionen BTC – mehr als fünf Prozent des maximalen Gesamtangebots.

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Auch Tether weitete seine Position aus. Der Stablecoin-Emittent kaufte zum Jahreswechsel weitere 8.888 Bitcoin und erhöhte seine offengelegte Reserve auf über 96.000 BTC. Damit verfügt das Unternehmen über die fünftgrößte bekannte Bitcoin-Wallet. Die Zukäufe folgen einer internen Strategie, bis zu 15 % der Quartalsgewinne in Bitcoin zu investieren.

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Parallel stockte Tether im dritten Quartal 2025 seine Goldreserven um 26 Tonnen auf. Die Kombination aus Staatsanleihen, Gold und Bitcoin rückte das Unternehmen zunehmend in den Fokus von Ratingagenturen. S&P stufte USDT zuletzt wegen Transparenz- und Konzentrationsrisiken herab, während Marktbeobachter die wachsende Bedeutung von Bitcoin innerhalb der Tether-Reserven kritisch diskutieren.

Ergänzt wird dieses Bild durch spekulative Narrative aus dem Marktumfeld. Jan3-Gründer Samson Mow prognostiziert, dass Elon Musk 2026 „voll auf Bitcoin setzen“ werde, und erneuerte zugleich seine extrem optimistischen Kursziele.

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Gleichzeitig verweisen andere Branchenvertreter wie Bitwise-CIO Matt Hougan auf ein deutlich nüchterneres Szenario mit langfristig soliden, aber weniger spektakulären Renditen. Der Kontrast unterstreicht, wie stark sich die Debatte inzwischen zwischen realer Angebotsverknappung durch Treasuries und weiterhin hochvolatilen Erwartungsnarrativen bewegt.

In der Summe zeigt sich: Während Miner nach einem historischen Margenjahr um Effizienz und Überleben ringen, verlagert sich zunehmend Bitcoin-Bestand von der Produktions- in die Bilanzsphäre. Unternehmens- und Stablecoin-Akteure treten immer deutlicher als strukturelle Eigentümer auf.

Der Druck auf die Miner ist kein Randphänomen, sondern ein Filter. Hohe Difficulty, sinkende Margen und geopolitische Kostenfaktoren beschleunigen die Selektion auf der Produktionsseite. Gleichzeitig bündeln Treasury-Akteure Kapital, Liquidität und Angebotsmacht. Bitcoin wird damit weniger durch neue Coins geprägt als durch ihre Verteilung. Die Angebotsdynamik verschiebt sich von Hashrate zu Bilanzen – ein struktureller Übergang, der langfristig relevanter sein dürfte als kurzfristige Difficulty-Zyklen.

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🌤 Marktstimmung zwischen Stabilisierung und Realitätstest

Nach Monaten ausgeprägter Angst kehrt erstmals vorsichtige Stabilisierung in die Marktstimmung zurück. Der Crypto Fear and Greed Index drehte Anfang Januar erstmals seit dem Oktober-Crash wieder auf „neutral“ und stieg auf einen Wert von 40. Anleger sind damit nicht mehr klar im Angstmodus – von Optimismus ist der Markt jedoch weiterhin entfernt.

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Der Stimmungsumschwung folgt auf einen der härtesten Brüche des Zyklus. Nach dem Allzeithoch von über 125.000 US-Dollar im Oktober stürzte Bitcoin innerhalb weniger Wochen auf rund 80.000 US-Dollar ab. Altcoins traf es noch härter: Die Marktkapitalisierung des restlichen Kryptomarktes brach an einem einzigen Tag um rund 33 % ein. Der Fear-and-Greed-Index fiel im November zeitweise auf 10 – „extreme Angst“.

Die aktuelle Neutralität signalisiert vor allem eines: Der Schock ist verarbeitet, die Unsicherheit aber nicht verschwunden. Beobachter verweisen weiterhin auf geopolitische Spannungen und eine auffällige Zurückhaltung von Privatanlegern als Belastungsfaktoren für den Jahresstart.

Diese fragile Lage zeigte sich auch am vergangenen Wochenende. Trotz eines groß angelegten US-Angriffs auf Venezuela blieb der Bitcoin-Preis stabil und konnte sich zeitweise sogar leicht erholen – ein Verhalten, das für klassische Risikoanlagen untypisch ist. Marktbeobachter werten die Reaktion als Hinweis, dass ein Teil der panikgetriebenen Verkäufe bereits abgeschlossen sein könnte. Gleichzeitig herrscht Uneinigkeit darüber, ob sich daraus bereits ein belastbarer Trend ableiten lässt oder ob die Reaktion lediglich Ausdruck kurzfristiger Marktberuhigung war.

Innerhalb dieses neutralisierten Gesamtbildes stechen jedoch divergierende Signale aus dem Ethereum-Ökosystem hervor. Laut Santiment ähnelt die aktuelle Stimmungslage rund um Ether jenen Phasen, die der starken Rallye 2025 vorausgingen. Analyst Brian Quinlivan verweist darauf, dass Ethereum historisch oft dann anzog, wenn öffentliche Erwartung und Marktinteresse deutlich abgekühlt waren. Zwar liegt der ETH-Preis rund 36 % unter seinem Allzeithoch, zugleich gilt Ethereum inzwischen wieder klar als etablierte Nummer zwei des Marktes. Institutionelle Akteure ordnen Bitcoin und Ethereum zunehmend als Kernbestandteile von Krypto-Portfolios ein, nicht mehr als spekulative Außenseiter.

Parallel dazu verschärft sich der fundamentale Kontrast zwischen Preisentwicklung und Nutzung.

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Im vierten Quartal 2025 wurden auf Ethereum Stablecoin-Transaktionen im Umfang von über 8 Billionen US-Dollar abgewickelt – fast doppelt so viel wie im zweiten Quartal. Die Anzahl täglicher Transaktionen erreichte Ende Dezember ein Allzeithoch von rund 2,23 Millionen, aktive Monatsadressen stiegen auf 10,4 Millionen. Ethereum dominiert weiterhin die Stablecoin-Abwicklung und die Tokenisierung realer Vermögenswerte mit einem Marktanteil von rund 65 % des gesamten On-Chain-RWA-Werts. Mehr als die Hälfte aller im Umlauf befindlichen Stablecoins wird inzwischen über Ethereum bewegt.

Das Stimmungsbild bleibt damit gespalten. Auf der Oberfläche herrscht Vorsicht, unter der Oberfläche nimmt die ökonomische Aktivität weiter zu.

Der Sprung in den neutralen Bereich markiert weniger eine Trendwende als eine psychologische Entkrampfung. Angst dominiert nicht mehr – Zuversicht aber auch nicht. Auffällig ist die wachsende Diskrepanz zwischen Marktstimmung und Netzwerkrealität. Während Investoren noch abwarten, laufen Zahlungsschienen, Stablecoin-Ströme und On-Chain-Aktivität auf Rekordniveau. Diese Divergenz deutet auf eine Phase hin, in der Fundamentaldaten zunehmend schwerer mit klassischer Marktpsychologie vereinbar sind.

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đź’» Ethereum als Betriebssystem

Vitalik Buterin vergleicht Ethereum mit Linux: einem offenen Betriebssystem, das nicht als fertiges Produkt, sondern als globale Infrastruktur funktioniert. So wie Linux Milliarden von Nutzern und Organisationen als frei anpassbare Basis dient, soll Ethereum als offene Layer-1-Plattform die Grundlage für Finanzanwendungen, Identität, soziale Systeme und Governance im Internet bilden – ohne Abhängigkeit von Intermediären. Im Zentrum steht dabei die Idee eines dezentralen „Betriebssystems für Wert, Rechenleistung und Konsens“.

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Konkret spiegelt sich diese Vision in Ethereums modularer Architektur wider. Während Linux durch individuelle Software-Distributionen skaliert, setzt Ethereum auf ein wachsendes Ökosystem aus Layer-2-Netzwerken. Laut L2Beat existieren inzwischen 127 Layer-2-Lösungen. Befürworter sehen darin ein Experimentierfeld für unterschiedliche Ausführungsumgebungen, Blockzeiten und Anwendungsfälle. Kritiker hingegen verweisen auf Fragmentierung und auf rückläufige Einnahmen der Basisschicht seit dem Dencun-Upgrade im März 2024.

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Parallel dazu erklärt Buterin, Ethereum habe einen entscheidenden technologischen Meilenstein erreicht: die praktische Auflösung des Blockchain-Trilemmas. Mit PeerDAS, das Ende 2025 eingeführt wurde, und zunehmend einsatzfähigen zkEVMs soll es erstmals möglich sein, Skalierbarkeit, Sicherheit und Dezentralisierung gleichzeitig umzusetzen. PeerDAS erweitert die Datenverfügbarkeit deutlich, während zkEVMs perspektivisch die Validierung von Blöcken effizienter und skalierbarer machen sollen.

Buterin beschreibt diesen Punkt als Ergebnis einer zehnjährigen Entwicklungsphase. Erste Bestandteile laufen bereits produktiv, weitere strukturelle Anpassungen sind für 2026 und die Folgejahre angekündigt – darunter höhere Gas-Limits, Änderungen an der Ausführungslogik und langfristig eine stärkere Rolle von zkEVMs bei der Blockvalidierung. Ziel ist ein Netzwerk, das sowohl hohe Bandbreite als auch robuste Dezentralität bietet und damit die Grundlage für ein dauerhaft skalierbares Ethereum legt.

Buterins Linux-Vergleich ist mehr als ein Bild – er verschiebt den Maßstab, an dem Ethereum gemessen werden will. Nicht kurzfristige Einnahmen der Basisschicht, sondern die Rolle als neutrale Infrastruktur stehen im Vordergrund. Die wachsende Layer-2-Landschaft und die Fortschritte bei PeerDAS und zkEVMs sprechen dafür, dass Ethereum technisch in eine neue Phase eintritt. Gleichzeitig bleibt offen, ob Fragmentierung, Governance-Komplexität und ökonomische Anreize langfristig mit dieser Betriebssystem-Logik vereinbar sind. Ob Ethereum wirklich „Linux für Wert und Vertrauen“ wird, entscheidet sich weniger am Narrativ als an der Fähigkeit, diese modulare Vision stabil, interoperabel und sicher zu halten.

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